
EKG-Report 365
Deutsch-französische Konsultationen: OECD-Konsensus weiterentwickeln – Förderinstrumente aufeinander abstimmen – Frankreich zu Gast im Interministeriellen Ausschuss für Exportkreditgarantien
Die Ende vergangenen Jahres in Hamburg stattgefundenen bilateralen Konsultationen zwischen Deutschland und Frankreich haben ein hohes Maß an Übereinstimmung beider Länder beim Thema Exportförderung gezeigt. Erstmalig war eine französische Delegation im Interministeriellen Ausschuss für Exportkreditgarantien vertreten.
In der Dezembersitzung des Interministeriellen Ausschusses für Exportkreditgarantien berichtete Armel Castets, Deputy Assistant Secretary, Export Finance and Trade Promotion Division, Direction Générale du Trésor, von seinen Eindrücken und skizzierte die Herausforderungen für die Zukunft. Armel Castets: "In diesen herausfordernden handelspolitischen Zeiten ist eine starke deutsch-französische Achse wichtiger denn je. Gemeinsam mit unseren deutschen Freunden setzen wir uns auch weiterhin für eine regelbasierte und multilaterale Ordnung ein."
Das Fundament der staatlichen Exportförderung solle nach Ansicht von Armel Castets das OECD-Arrangement on Officially Supported Export Credits (OECD-Konsensus) sein, auch wenn der Anteil der unter diesem Regelwerk stattfindenden Exporte in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist. Frankreich wolle seine G7-Präsidentschaft dazu nutzen, die Reform des OECD-Konsensus voranzutreiben. Dabei setze es auf die Unterstützung Deutschlands.
Armel Castets: „Unsere beiden Länder arbeiten daran, die Instrumente zur Exportförderung anzupassen, um die Fähigkeit unserer Unternehmen zu verbessern, im internationalen Wettbewerb Aufträge zu gewinnen. Dazu gehört auch eine bessere Mobilisierung der europäischen Ressourcen im Rahmen von Global Gateway. Wir werden das gemeinsam im Hinblick auf den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen weiter in diese Richtung vorantreiben.“
OECD-Arrangement
Das Regelwerk legt die Bedingungen fest, unter denen staatlich unterstützte Exportkredite übernommen werden können. Es umfasst unter anderem Regelungen zu Zinssätzen, Kreditlaufzeiten und anderen finanziellen Bedingungen. Ziel ist es, für fairen Wettbewerb zu sorgen und Transparenz herzustellen.
Hermesdeckungen flex&cover: Flexibel. Einfach. Unbürokratisch – Wertschöpfungsbeitrag für Standort Deutschland im Fokus – Starke Nachfrage: Schon über 30 flex&cover-Zusagen
2025 hat die Bundesregierung ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Stärkung der deutschen Exportwirtschaft beschlossen. Ein zentraler Baustein dieses Maßnahmenpakets ist flex&cover - ein ergänzender, neuer Ansatz zur Prüfung der Förderungswürdigkeit von Ausfuhrgeschäften.
René Auf der Landwehr, Firmenberater Exportkreditgarantien, über die Vorteile von flex&cover, die Resonanz in der Exportwirtschaft und wie es 2026 weitergeht.
Was zeichnet flex&cover aus?
Über Jahrzehnte war der Warenursprung eines Geschäfts das zentrale Kriterium für die Förderungswürdigkeit. Flex&cover geht einen anderen Weg. Entscheidend ist nicht mehr das einzelne Geschäft, sondern der Wertschöpfungsbeitrag, den das Unternehmen für den Standort Deutschland erbringt.
Warum hat der Bund diesen transaktionsunabhängigen Ansatz eingeführt?
Die Rahmenbedingungen für die deutsche Exportwirtschaft haben sich fundamental gewandelt. Mit flex&cover trägt der Bund den zunehmend internationalen Geschäfts- und Wertschöpfungsmodellen deutscher Unternehmen in der Außenwirtschaft Rechnung. Flex&cover entlastet zudem Exportunternehmen bei der Antragstellung und ist ein wichtiger Beitrag zum Bürokratieabbau in der Außenwirtschaftsförderung.
Welche Vorteile bringt dieser Ansatz den Exportunternehmen?
Durch den Wegfall der transaktionsbezogenen Nachweispflicht beim Sourcing vereinfacht sich das Antragsverfahren.
Vor allem aber beschleunigt die Planungssicherheit von flex&cover die Geschäftsanbahnung und das Angebotsverfahren. Exporteure gewinnen an Geschwindigkeit, da sie nicht erst die endgültige Sourcing-Struktur abwarten müssen oder aber eine neue Entscheidung herbeiführen müssen, wenn sich Sourcing-Bedingungen ändern. Der Geschwindigkeitsbooster ist ein riesiger Vorteil von flex&cover und stärkt deutsche Exporteure im internationalen Wettbewerb.
Eine kleine Einschränkung gibt es allerdings für großvolumige Geschäfte mit Auftragswerten ab EUR 100 Mio. aufwärts. Hier benötigen wir mit dem Deckungsantrag eine Darstellung des Sourcing-Splits, um über mögliche Rückversicherungsoptionen zu entscheiden.
Welche Laufzeit hat flex&cover?
In der Regel gilt der flex&cover-Status für drei Jahre. Das gibt Planungssicherheit. Anschließend kann der Exporteur eine Verlängerung beantragen. Einmal im Jahr sprechen Exporteur und Firmenberater über die Erfahrungen mit flex&cover und prüfen, ob sich beim Exporteur wesentliche Änderungen ergeben haben.
Was ist mit dem bisherigen Modell 49-PLUS?
Das Modell besteht weiterhin. Entsprechend seinen Bedürfnissen kann der Exporteur zwischen flex&cover und 49-PLUS wählen. Beide Modelle haben ihre Vorteile. Das Wahlrecht gibt dem Antragsteller ein Höchstmaß an Flexibilität.
Was muss ein Exportunternehmen tun, um einen flex&cover Status zu erhalten?
Unternehmen, die an flex&cover interessiert sind, sollten sich in einem ersten Schritt an den Beratungsaußendienst wenden. Gemeinsam erörtern Exporteur und Firmenberater, ob flex&cover für das Unternehmen geeignet ist und wie das Geschäfts- und Sourcingmodell im Antrag sinnvoll dargestellt werden kann.
Sind die Voraussetzungen erfüllt, stellt das Unternehmen in einem zweiten Schritt einen flex&cover Antrag. Dabei legt das Unternehmen dar, welchen positiven volkswirtschaftlichen Beitrag es für den Standort Deutschland leistet. Wichtige Aspekte sind in diesem Zusammenhang der Firmensitz des Unternehmens, dessen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sowie Investitionen, Beschäftigte, Ausbildung, Sourcing und Wertschöpfung.
Wie kommt der neue Ansatz bei den Exportunternehmen an?
Die Nachfrage nach flex&cover ist groß und hat unsere Erwartungen übertroffen. Zum 31.12.2025 hat der Bund 31 flex&cover-Zusagen erteilt. Unter flex&cover hat der Bund im zurückliegenden Jahr 69 Deckungen in Höhe von 1,7 Mrd. Euro übernommen.
Wie geht es mit flex&cover weiter? Was ist für 2026 geplant?
Anfang des Jahres haben wir die Antragstellung deutlich vereinfacht. Nach einem Beratungstermin mit dem Euler Hermes Beratungsaußendienst, kann unter www.exportkreditgarantien.de die flex&cover Zusage beantragt werden. Auf nur vier Seiten werden alle notwendigen Parameter zu den Kriterien abgefragt. Nach der Antragstellung werden die weiteren Schritte zur Zusage dann mit dem jeweiligen Firmenberater aus der Region besprochen.
Export Finance for Future (E3F) veröffentlicht Transparenzbericht 2025 zu Fortschritten im Bereich nachhaltiger Exportfinanzierung
Die aus den ECAs Belgiens, Dänemarks, Deutschlands, Finnlands, Frankreichs, Italiens, der Niederlande, Österreichs, Schwedens, Spaniens und des Vereinigten Königreichs bestehende Initiative Export Finance for Future (E3F) hat im November ihren jährlichen Transparenzbericht für das Jahr 2025 veröffentlicht. Die E3F verfolgen seit ihrer Gründung im Jahr 2021 das Ziel, die Transformation von Investitionsmustern hin zu klimaneutralen und klimaresistenten Projekten zu unterstützen. Der aktuelle Bericht erschien im Vorfeld der am 10. November gestarteten COP30 in Brasilien und dokumentiert die Fortschritte der Mitgliedstaaten bei der Transformation von Exportfinanzierungen zugunsten klimafreundlicher Projekte.
Zwischen 2015 und 2024 haben die E3F-Mitglieder Exportfinanzierungen in Höhe von über 300 Milliarden Euro bereitgestellt, wobei klimafreundliche Transaktionen mit 64,4 Milliarden Euro einen substanziellen Anteil dieses Engagements ausmachten. Trotz eines Rückgangs der klimafreundlichen Transaktionen im Jahr 2024 gegenüber dem Vorjahreshoch bleiben die Investitionen in erneuerbare Energien robust und liegen deutlich über dem Volumen von Transaktionen im Bereich fossiler Projekte, die auf niedrigem Niveau verharren. Der langfristige Trend zeigt im Betrachtungszeitraum eine positive Entwicklung, sowohl anhand der zunehmenden Unterstützung für klimafreundliche Projekte als auch anhand des Rückgangs im Bereich fossiler Geschäfte, und macht die Fortschritte deutlich, die die E3F seit ihrer Gründung erzielen konnten.
Entwicklung in Deutschland
Für Deutschland zeigt sich 2024 ein differenziertes Bild: Die fossilen Transaktionen bleiben auf einem anhaltend niedrigen Niveau und steigen im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig an – sie markieren den drittniedrigsten Wert im Betrachtungszeitraum 2015–2024. Die klimapositiven Transaktionen sind gegenüber dem Vorjahreshoch zwar um mehr als die Hälfte zurückgegangen, erreichen jedoch immer noch den zweithöchsten Wert im Betrachtungszeitraum. Die kurzfristig auftretenden Schwankungen sind dabei maßgeblich durch Einzeltransaktionen bestimmt, im Jahr 2023 beispielsweise durch hohe Volumina im Bereich Schienenverkehr.
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